Die Jeans ist eines der universellsten Kleidungsstücke, die es gibt. Heute hat wohl jeder mindestens ein Teil aus Denim in seinem Kleiderschrank. Aber gerade dieses populäre Bekleidungsteil zieht, vom Anbau der Baumwolle, über das Färben und Veredeln bis hin zur Nachbehandlung der fertigen Hose, einen Schwanz katastrophaler Belastungen für Mensch und Umwelt mit sich.

Das Material für Denim ist Baumwolle. Sie ist die am meisten benutzte Faser in der Modeindustrie und das wichtigste landwirtschaftlich angebaute, nicht essbare  Produkt. Baumwolle braucht ein warmes Klima. China ist, mit 4,5 Millionen Tonnen im Jahr, der größte Produzent, gefolgt von den USA, Usbekistan und Indien. Obwohl  der Baumwollanbau nur vier bis fünf Prozent Ackerland besetzt, verbraucht er fünfundzwanzig Prozent der weltweit eingesetzten Insektizide und zehn Prozent der Pestizide. Es wird außerdem geschätzt, dass in der modernen, intensiven und auf höchsten Ertrag ausgelegten Baumwollwirtschaft, pro Kilo geernteter Baumwolle 20000 – 40000 Liter Wasser verbraucht werden. Die Schäden für die Ökosysteme in den Anbauländern durch Wassermangel und Pestizidbelastung sind enorm. Doch nicht nur die Umwelt wird durch Verdorrung und belastete Böden und Trinkwasser geschwächt. Die Todes- und Erkrankungsfälle unter einfachen Bauern steigen stetig an, da es an Wissen um den Umgang mit den hochgiftigen Pestiziden mangelt.

Wenn die Baumwolle gepflückt werden kann, geht die Misere weiter. Deutschland ist der Hauptabnehmer von Baumwolle aus Usbekistan. Die EJF – Enviromental Justice Foundation veröffentlichte 2009 einen Bericht, indem sie aufdeckte, dass in dem diktatorisch regierten Land, Menschen- und Arbeitsrechte mit Füssen getreten werden. Die Regierung zwingt jedes Jahr hundert tausende Kinder auf den staatlichen Feldern die Baumwolle zu pflücken. Schon zehnjährige müssen unter fatalen Bedingungen zwei Monate ihre Schulbildung aussetzen, um für gar keinen oder einen Hungerlohn zu pflücken. Als nächstes wird die Baumwolle versponnen und gefärbt. Früher wurden die Kettfäden mit natürlichem Indigo aus der Indigopflanze gefärbt, heute wird dieser Farbstoff chemisch hergestellt. Arbeiter sind oft ungeschützt den sich zersetzenden Dämpfen beim Färben ausgesetzt. Je dunkler das Blau sein soll, desto mehr Chemikalien müssen zugesetzt werden. Um die Farbe haltbar zu machen werden die Fasern mit Ätznatron und Säure behandelt. Auf Grund fehlender Sicherheitsstandards in den Herstellungsländern geraten viele der hochgiftigen Stoffe in die Luft oder verschmutzen die Gewässer um die Fabriken.

Nachdem der Stoff gewebt und zugeschnitten ist, wird die Jeans genäht. Auch hier wenden sich die Modehäuser an die billigsten Hersteller und setzen die Fabriken unter enormen Leistungsdruck. Das fällt vor allem auf die Arbeiter zurück, die unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen und unmenschlichen Arbeitszeiten leiden. Der Preis einer Jeans setzt sich aus 50% Einzelhandel, 25% Markenfirma, 11% Transportkosten, 13% Materialkosten und nur 1% Lohnkosten zusammen. Wie hoch die Löhne der Arbeiter in der Mode- und Textilindustrie sind, kann sich jeder vorstellen. In China arbeiten die Näher und Näherinnen in den Jeansfabriken jeden Tag im Monat, achtzehn Stunden mit wenigen Pausen. Die winzigen Gruppenzimmer, Verpflegung, Wasser und Strom werden noch vom kleinen Gehalt abgezogen. Die fertig genähten Jeans werden in der Wäscherei mit Bleiche, Enzymen und Bimssteinen gewaschen, um sie weich zu machen. Auch dort sind die Arbeiter meist ungeschützt den giftigen Chemikalien ausgesetzt. In der Türkei gibt es viele Fabriken, die die Nachbehandlung der Jeans übernehmen. Um zum Beispiel einen „Used Look“ zu erhalten, werden die Hosen mit Sandstrahl bearbeitet. Junge Männer zerstören sich ihre Gesundheit, weil sie nicht wissen, dass das Einatmen des feinen Staubes Silikose, auch Staublunge, hervorruft. Ohne Atemschutz oder Schutzanzüge bearbeiten sie die Oberflächen der Jeans und die unheilbare Krankheit, die man sonst nur von Bergarbeitern kennt, greift immer mehr um sich. Auch bei der Nachbehandlung verpesten Dämpfe und giftige Produktionsabfälle Luft und Wasser. Ganz zu schweigen von den Rückständen in den Textilien, die der Konsument über die Haut aufnimmt. Leider sind die gesetzlichen Vorgaben für Kennzeichnungen der Inhaltsstoffe nur minimal, deshalb kann man kaum absehen wie viel Chemie eigentlich in so einer Jeans steckt.

Auf jeden Fall hat sie, wenn sie beim Konsumenten ankommt schon ca. 50000 Kilometer zurückgelegt. Da es immer um die billigste Variante geht, legen die Jeans eine lange Reise hin; von Kasachstan, wo die Baumwolle angebaut wurde, über die Türkei, wo sie zu Garn versponnen wurde, nach Taiwan, wo der Jeansstoff gewebt wird, nach Tunesien, wo er mit polnischen Farbstoff gefärbt wird, nach Bulgarien, wo der Stoff veredelt wird, nach China, wo die Jeans mit Nieten aus Italien und Schweizer Futterstoff genäht wird. Zur Veredelung mit Bimssteinen aus Griechenland, geht es nach Frankreich und dann in die Läden nach Deutschland. Neben der Umweltverschmutzung während der Produktion entsteht durch das ständige Hin- und Herschicken der Materialien ein großer CO2- Ausstoß.

Upcycling ist hier, wie bei vielen anderen Textilien, einer der besten Wege, Müll zu reduzieren, Energie, Wasser und Chemikalien zu sparen und so Umwelt und Mensch zu entlasten und zu schonen.
Es gibt verschiedene Ansätze das so begehrte, aber umstrittene Material bzw. Produkt Jeans upzucyceln.
Das New Yorker Label reco jeans® nutzt die Abfälle der Jeansindustrie und fertigt daraus neue Hosen. Dafür werden die gesammelten Stoffabfälle zu Garn zurück gesponnen, dann zu neuem Stoff verwoben und zu Jeanshosen verarbeitet. Ein 100%-iges Upcyceln ist dabei noch nicht möglich. Die wiederverwendeten Fasern sind nicht lang genug um einen robusten Jeansstoff herzustellen, also werden 40% neue Baumwollfasern mit verwoben. Auf seiner Webseite betont das Label, dass es, durch das Upcycling, den Stoffmüll der Zulieferer um fast 60% vermindert.
Die estnische Designerin Reet Aus verarbeitet industrielle Abfälle direkt für ihre Patchwork-Kollektionen. Dafür verwendet sie Jeansstoffe die zum Beispiel als Verschnitt anfallen.
Die Designerin Luise Barsch hat sich 2010 in ihrer Diplomkollektion an der Angewandten Kunst Schneeberg, mit dem textilen Abfall, der nach der Bekleidungsproduktion anfällt, beschäftigt. Dafür hat sie Samples, Fehlerware und zurückgegebene Jeans zu einer kleinen, von Punk und Streetwear inspirierten, Kollektion verarbeitet.
Andere Labels beziehen den Konsumenten und seine getragene, alte Jeans direkt mit ein. Bei Recycleyourjeans.com können Kunden ihre ausgediente Jeans abgeben und bekommen ein Paar Sandalen aus dem Stoff der Hose. Deadjeans fertigen individuelle Handytaschen aus eingesandten, alten Hosentaschen.